Corona 2020 – Gedanken eines Schaustellers

● Kirmes kennt keine Krise

● denn Kirmes kommt von Kirche und Messe

● das war jedenfalls bis 2019 so

Im Herbst 2019 zogen alle Lieferanten plötzlich die Preise hoch! Begründung - in China sei die afrikanische Schweinepest ausgebrochen. Da hat sich noch niemand ausmalen können, was uns 2020 alles erwartet…

Rückblick - 2019 war für unseren Betrieb ein sehr erfolgreiches Jahr und da galt es in 2020 anzuknüpfen. Neue Veranstaltungen in Solingen, Menden und Halver sind für 2020 dazu gekommen. Positiv gestimmt ging es am 07. März noch kurz in den Urlaub und dann nichts wie los in die Saison 2020.

Weit gefehlt… im Urlaub erreichte mich ein Anruf vom Versicherungsbüro - sie boten schon mal an, die Zugmaschinen ruhend zu melden und dann alles andere persönlich mit mir zu besprechen.

Ab jetzt war Corona bei mir angekommen. Mit dem letzten Flieger planmäßig zu Hause angekommen, machte sich das Ganze bekannt.

Auf einmal ging alles Schlag auf Schlag – anstelle sich um Fisch- und Fleischbestellungen zu kümmern oder das Personal, muss man sich nun mit Möglichkeiten der staatlichen Förderung auseinander setzen. Verkehrte Welt.

Am 05. Mai rief Phillip Müller an, um von dem Berufsverbot der Schausteller im Solinger Tageblatt zu berichten.

Nach und nach eröffneten die Kollegen fast überall ihre Drive-In Plätze und auch uns war klar, dass wir etwas unternehmen müssen.

Denn auf meinen Fahrplan geguckt, kamen Existenzängste auf:

● Solingen → abgesagt
● Remscheid Ostermarkt → abgesagt
● Langenfeld Stadtfest → abgesagt
● Remscheid Maikirmes → abgesagt
● Ohligs Dürpelfest → abgesagt
● Menden Pfingsten → abgesagt
● Radevormwald → abgesagt
● Halver → abgesagt
● Düsseldorf – Bilk → abgesagt
● Remscheid Schützenfest → abgesagt
● Düsseldorf - Größte Kirmes am Rhein → abgesagt
● Cranger Kirmes → abgesagt
● Wermelskirchen → abgesagt
● Zöppkesmarkt → abgesagt

Ein paar Veranstaltungen sind noch im Ausstand und prüfen ihre Möglichkeiten bevor auch diese dann die Absagen erteilen:

Schwelm → ungewiss
Radevormwald → ungewiss
Haan → ungewiss
Düsseldorf Urdenbach – ggf ohne Festzelt → ungewiss
Bocholt → ungewiss
Hilden → ungewiss
Soester Allerheiligen Kirmes →  ungewiss

Als letzte Veranstaltung dann dieses Jahr - das Weihnachtsgeschäft in Remscheid. Wenn dieses auch noch ausfällt, wären wir 16 Monate ohne Einkommen! Das ist dann das Ende von uns und vielen Kollegen, die das gleiche Schicksal teilen.

Der typische Schausteller zeichnet sich durch Flexibilität, Innovation und Fleiß aus. Also versuchen wir einen Platz zu suchen, um wenigstens das Personal zu beschäftigen und ein wenig Umsatz zu machen. In Remscheid auf dem Schützenplatz wurde zu dieser Zeit ein Autokino aufgebaut, die haben aber einen eigenen Caterer. Ein weiterer Platz der geeignet schien, war anderweitig vergeben.

In Solingen das gleiche Spiel, obwohl man von Seitens der Stadt Hilfe in Aussicht gestellt hat.

Dann kam der Gedanke – das Walbusch Gelände neben unserem Firmensitz, das schon einige Jahre verweist war. Meine Frau rief dann Firmeninhaber Herrn Christian Busch an und der stellte spontan das Gelände unentgeltlich zur Verfügung – ein großes Dankeschön an dieser Stelle!

Sofort besichtigte mein Sohn das besagte Gelände und war nicht sehr erbaut. Es war buckelig mit vielen dicken Löchern und sehr zugewachsen.

Ich rief parallel dazu Herrn Oltmann - Chef von Tractive Power - an um anzufragen, ob wir dort Strom hin bekämen.

Bei all dem Ärger und Sorgen musste ich dann auch noch unerwartet ins Krankenhaus. Dort erreichte mich die Nachricht, dass das mit dem Strom OK geht und man holte ihn vom Nachbarn Ottomar Wolf - doch was dann geschah war und ist für mich unwirklich.

Ich bekam auf einmal Fotos von schweren Gerät und einer Manpower ins Krankenhaus, so dass mir mulmig wurde. Ich schrieb schnell Herrn Oltmann an  wer das alles bezahlen würde - bei mir sind die Kassen leer auf Grund des Berufsverbots. Herr Oltmann teilte uns daraufhin mit, dass wir uns keine Sorge machen sollten. Bislang wären die einzigen Kosten für die Stadtwerke für den Stromanschluss. Und da das Dürpelfest ohnehin abgesagt worden ist, hätte er volle Manpower zur Verfügung und diese wären so beschäftigt. Es wär schön etwas zu tun zu haben. Für etwas Tolles, bzw. den guten Zweck zu arbeiten. Auch wollte er morgen noch mal die Werbetrommel ordentlich drehen. Und wenn die Krise zu Ende sei und ich mich wieder fit fühle, reden wir über alles andere

Mietkosten für Material und Maschinen werden wir nicht berechnen, da es im Lager eh nur rumstehen würde. Wenn am Ende was für unsere Manpower und Sprit hängenbleibt reicht das.

Aber die Details sollen beim nächsten Dürpelfest bei einem Bier geklärt werden. Vorrang hat meine Gesundheit und das der Imbiss schnellstmöglich läuft.

Es war sehr spannend die täglichen Veränderungen am Grundstück zu sehen. Durch die tollen Arbeiten der Firma TractivPower konnten wir am 20.05.2020 war es dann endlich eröffnen. Seit dem ist unser Imbiss von Dienstag bis Sonntag jeweils von 12:00 – 20:00 Uhr an der Beethovenstr. 261 geöffnet. Neben den persönlichen Kontakten haben wir auch viel Zuspruch über den neuen SocialMedia-Auftritt erhalten.

Als letztes aber möchte ich ein riesen Dankeschön an die Firmen Walbusch und TractivePower richten und natürlich auch an alle die so toll mitgeholfen haben. Aber die Angst vor der Zukunft bleibt…

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